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Ansprache des Botschafters Dong Jinyi bei dem Freundetreffen der chinesischen Botschaft und der Medien in der Schweiz
2009/09/24

 

Verehrte Gäste, liebe Freunde:

Dass Sie heute bei uns zu Gast sind, ist für uns eine Ehre und eine grosse Freude. Es ist für unsere Botschaft das erste Mal, ein Freundetreffen der chinesischen Botschaft, der chinesischen Presseagenturen in der Schweiz und der Schweizer Medien zu veranstalten. Im Namen der Botschaft heisse ich Sie ganz herzlich willkommen.

Die heutige Veranstaltung kommt 3 Zielen zugute. Erstens: Die Freundschaft zu vertiefen, zweitens: Das gegenseitige Verständniss zu fördern, drittens: Die Fragen zu beantworten.

Wir haben oft Artikel anwesender Freunde gelesen, aber einige Freunde noch nicht zu Gesicht bekommen. Es fehlt uns an direktem Kontakt und Dialog von Angesicht zu Angesicht. In disem Sinne bietet unser heutiges Treffen auch eine gute Gelegenheit, unseren persönlichen Kontakt zu intensivieren.

Heutzutage wird es viel über China geredet. Die folgenden Themen: Was für ein Land ist China eigentlich, wie zieht sich dessen Entwicklung in allen Bereichen voll, welche Einflüssen wird diese Entwicklung auf die Welt ausüben usw, werden fast täglich von ausländischen Journalisten, Gelehrten und Politikern kommentiert.

Seit langem haben die anwesenden Freunde grosse Aufmerksamkeit auf China und seine Beziehungen zur Schweiz geschenkt und eine wichtige Rolle zur Förderung des besseren Verständnisses und der Freundschaft zwischen beiden Völkern gespielt. In 9 Tagen jährt sich der Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China zum 60. Mal. Im kommenden Jahr begehen die VR China und die Schweiz das 60-jährige Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Aus diesem Anlass möchte ich gerne die heutige Gelegenheit wahrnehmen, um einige Angaben zu der Entwicklung der VR China und ihren Beziehungen zur Schweiz zu machen.

Mit der Gründung der VR China vor 60 Jahren ist eine neue Ära in der langen Geschichte Chinas eingeleitet. Ein armes, rückständiges China mit einer grossen Bevölkerung hat seither den Weg eingeschlagen, ein blühendes und gedeihendes Land aufzubauen. Mittlerweile hat China enorme Veränderungen erfahren. Da es wirklich schwer ist, innerhalb so kurzer Zeit diese Veränderungen zu beschreiben, möchte ich zu Ihrer Orientierung einen Vergleich in Zahlen machen.

Volkswirtschaft: Von 1952 bis 2008 ist Chinas Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt im Durchschnitt jährlich um 8,1 Prozent gestiegen. Das gesamte Wirtschaftsvolumen hat um das 77-Fache zugenommen und die dritte Stelle der Welt eingenommen.

Finanzeinkommen: 1950 lag Chinas Finanzeinkommen bei 6,2 Milliarden Yuan, 2008 hat es 6,1317 Billionen Yuan erreicht, was ein 985-faches Wachstum darstellt.

Industrielle Produktionskapazität: Nach der internationalen Norm der industriellen Klassifikation nimmt der Anteil der chinesischen Produktionsindustrie in 7 von insgesamt 22 Kategorien die erste Stelle der Welt ein. Damit hat sich China allmählich zu einem global führenden Produktionsland umgewandelt.

Landwirtschaftliche Produktion: 2008 ist die Getreideproduktion Chinas im Vergleich zum Jahr 1949 um das 3,7-Fache gestiegen und beläuft sich auf 528,71 Millionen Tonnen. Es ist China gelungen, mit einem Siebentel der globalen Anbaufläche das Ernährungsproblem von einem Fünftel der Weltbevölkerung zu lösen.

Aussenhandelsvolumen: Das gesamte Export- und Importvolumen ist von 1,13 Milliarden US-Dollar im Jahr 1950 um 2266-Fache auf 2,5616 Billionen US-Dollar im Jahr 2008 gestiegen und liegt im Welthandel an dritter Stelle.

Devisenreserven: 1952 betrugen Chinas Devisenreserven nur 139 Millionen US-Dollar, 2008 haben sie um 14000-Fache 1,946 Billionen US-Dollar erreicht. Damit steht China nach Devisenreserven an erster Stelle in der Welt.

Sozialwesen: Bei der Gründung der Volksrepublik waren mehr als 80% der Bevölkerung Analphabeten, nur 20% der schulpflichtigen Kinder konnten eine Schule besuchen, und die Lebenserwartung betrug nur 35 Jahre. 2008 ist die Analphabetentum auf 6,67 Prozent gesunken, die Verbreitung der Volksbildung hat sich dem Niveau der Länder mit mittlerem Einkommen genähert, und die Lebenserwartung auf 73 Jahre erhöht. Die Zahl der absolut armen Menschen in den ländlichen Gebieten ist bis Ende 2007 auf 14,79 Millionen gesunken, was ein 1,6% der ländlichen Bevölkerung entspricht. Damit gilt China als das erste Land, das die sogenannten Millenniums-Ziele der UNO erreicht hat. Nach der Ansicht der UNO und der Weltbank sind zwei Drittel der Erfolge bei der Armutsbekämpfung der Menschheit in den letzten 25 Jahren China zu verdanken.

Der Aufbau der Demokratie und des Rechtssystems ist auch zielstrebig und stetig vorangetrieben worden. Innerhalb diesen 60 Jahren haben sich in China mehrere Praxisformen der sozialistischen politischen Demokratie entwickelt, einschliesslich des Systems der Volkskongresse, der Mehrparteienzusammenarbeit und der politischen Konsultation unter der Führung der KP Chinas, des Systems der nationalen Gebietsautonomie und des Mechanismus der Selbstverwaltung von Volksmassen auf der Basisebene. Eine wirksame Ausübung der Staatsmacht durch das Volk ist dadurch gewährt. Insbesondere seit Durchführung der Reform und Öffnung sind das Regieren gemäss Gesetzen und der Aufbau eines sozialistischen Rechtsstaates als Verfassungsprinzipien festgeschrieben. Zur Zeit gelten in China über 200 Gesetze, ca. 600 administrative Verordnungen und mehr als 7000 örtliche Verordnungen, womit die Politik, die Wirtschaft und das kulturelle sowie gesellschaftliche Leben geregelt werden. Mit der Theorie „Ein Land, zwei Systeme" und deren Umsetzung ist eine neue Ära bei der gemeinsamen Entwicklung der Sonderverwaltungszonen Hongkong, Macao und Festland Chinas angebrochen und eine solide Basis für die Verwirklichung der vollständigen Wiedervereinigung Chinas geschaffen.

Kurz nach seiner Gründung unterhielt das neue China nur mit 18 Staaten diplomatische Beziehungen. Mittlerweile hat es mit 171 Staaten diplomatische Beziehungen aufgenommen. China ist bisher mehr als 130 zwischenstaatlichen internationalen Organisationen beigetreten und hat mehr als 300 multilaterale bzw. internationale Verträge unterzeichnet. Als einer der Gründungsstaaten der UNO und ein ständiges Mitglied ihres Sicherheitsrats engagiert sich China zunehmend in bi- und multilateralen Angelegenheiten und übernimmt die entsprechende internationale Verantwortung. In bedeutenden weltpolitischen Fragen wie Bekämpfung des Terrorimus, Nichtverbreitung von Kernwaffen, Finanzsicherheit, Nahostfriedensprozess sowie Lösung der Atomfrage auf der koreanischen Halbinsel und in Iran hat China eine konstruktive Rolle gespielt. Unter den 5 ständigen Mitgliedern des UNO-Sicherheitsrats ist China sogar der grösste Truppensteller für Friedensmissionen. Als ein grosses Entwicklungsland hält die chinesische Aussenpolitik an der Idee des gegenseitigen Nutzens und gemeinsamen Gewinns fest. Bisher hat China mit 29 Ländern und Regionen von Asien, Ozeanien, Lateinamerika, Europa, Afrika insgesamt 12 Freihandelsabkommen unterzeichnet, die mehr als ein Viertel des chinesischen Aussenhandels decken.

Die obenerzählten Zahlen und Fakten haben die erfolgreiche Entwicklung der VR China in den letzten 60 Jahren dargestellt, die ein brillantes Kapitel der Geschichte Chinas geschrieben hat.

Liebe Freunde:

Ein Rückblick auf die Vergangenheit zielt darauf, besser vorwärts zu gehen. Wir sind uns bewusst, dass China trotz grosser Fortschritte seit sechs Jahrzehnten ein Entwicklungsland bleibt und vor massiven Herausforderungen steht. Es ist immer noch belastet mit ungleicher Entwicklung zwischen Stadt und Land sowie zwischen verschiedenen Regionen. Dazu kommen komplizierte Probleme und Konflikte, mit denen ein Land während des Gesellschaftswandels unvermeindlich konfrontiert ist. Es gibt noch Defizite in der politischen Demokratie. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, wird China den seinen Verhältnissen entsprechenden Entwicklungsweg weiterhin gehen, die Reform und die Öffnung konsequent betreiben und von Errungenschaften menschlicher Zivilisation lernen. Dieses Land wird sich noch um eine wissenschaftliche und harmonische Entwicklung bemühen und die sozialistische politische Demokratie chinesischer Prägung ständig perfektionieren. Dieses Land will auch dazu beitragen, mit allen Ländern gemeinsam den dauerhaften Frieden, die nachhaltige Stabilität und die gemeinsame Prosperität der Welt zu fördern, indem es unbeirrt dem Weg der friedlichen Entwicklung folgt und die Öffnungsstrategie zum gegenseitigen Nutzen und gemeinsamen Gewinn durchführt.

Liebe Freunde:

Die Beziehungen zwischen der VR China und der Schweiz sind von grosser Bedeutung für die Aussenbeziehungen der VR China. Die Schweiz gehört zu den ersten westlichen Ländern, welche die VR China anerkannt und mit ihr diplomatische Beziehungen aufgenommen haben. Mit der Teilnahme an der Indochina-Konferenz in Genf betrat die VR China 1954 erstmals die internationale Bühne. Das erste Joint-Venture der Produktionsindustrie zwischen einer chinesischen und einer westlichen Firma nach der Reform und Öffnung Chinas ist von einem schweizerischen Unternehmen gegründet. Das erste europäische Versicherungsunternehmen, das das Geschäft in China eröffnen darf, kommt ebenfalls aus der Schweiz. Die Schweiz gehört auch zu den ersten Ländern, die China als Marktwirtschaft anerkannt haben. Aus strategischer Sicht und mit Pioniergeist hat die Schweiz die freundschaftlichen Beziehungen und die Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen zwischen China und der Schweiz gefördert. Sie hat eine besondere Rolle bei der Entwicklung der Beziehungen zwischen China und europäischen Staaten gespielt. Gegenwärtig befinden sich die Beziehungen zwischen China und der Schweiz in der besten Phase der Geschichte. Auf der Ebene der Regierung, des Parlaments und der Parteien zwischen beiden Ländern findet ein reger Austausch statt. Die Zusammenarbeit in den Bereichen wie Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Bildung, Tourismus, Umweltschutz und Personalfortbildung trägt reiche Früchte. Beide Länder haben bei internationalen und regionalen Angelegenheiten gut kooperiert. Dank gemeinsamer Bemühungen beider Länder ist China bereits der grösste Handelspartner der Schweiz in Asien, während die Schweiz als einen wichtigen Partner Chinas in Westeuropa auf den Gebieten Handel und Technologie betrachtet wird. Trotz der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise überschritt das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern 2008 zum ersten Mal die Grenze von 10 Milliarden USD und beläuft sich auf 4,3 Milliarden USD im ersten Halbjahr 2009. Die Regierungs- und Wirtschaftsvertreter bei­der Län­der leisten der Zeit aktiv die Vorbereitungsarbeit dafür, die gemeinsame Machbarkeitsstudie für ein Freihandelsabkommen aufs Gleis zu setzen.

Mit Rückblick auf die Vergangenheit und mit Blick auf die Zukunft kann man mit Zuversicht eine gute Perspektive der chinesisch-schweizerischen Beziehungen feststellen. Wir wollen uns mit der Schweiz gemeinsam darum bemühen, die pragmatische Zusammenarbeit in allen Bereichen auszubauen, die Koordination und die Kooperation in internationalen Angelegenheiten zu verstärken und die bilateralen Beziehungen auf eine neue Stufe zu heben.

Liebe Freunde:

Der Wohlstand aller Völker soll die Zielsetzung des Aufbaus von Ländern und der Entwicklung von internationalen Beziehungen sein. Die Kraftquelle für Dynamik des Aufbaus von Ländern und der Entwicklung von internationalen Beziehungen liegt auch in Völkern. Die gegenwärtig gute Entwicklungstendenz der chinesisch-schweizerischen Beziehungen ist auf die freundschaftlichen Gefühle und die gemeinsame Bemühungen beider Völker angewiesen. Die weitere Entwicklung der chinesisch-schweizerischen Beziehungen ist gleichfalls auf ein besseres gegenseitiges Verständnis und einen regeren Austausch zwischen den beiden Völkern angewiesen. Seit langem haben die chinesischen und schweizerischen Medien sowie alle anwesenden Freunde viele geschätzte Arbeit für das gegenseitige Kennenlernen und die Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern geleistet. Dafür möchte ich mich bei Ihnen aufrichtig bedanken. Meine Botschaft ist immer bereit, Austausch und Zusammenarbeit mit Medien in der Schweiz zu verstärken und mit ihnen gemeinsam eine günstige öffentliche Meinung für die weitere Entwicklung der freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen China und der Schweiz zu schaffen.

In der Hoffnung, dass alle Freunde schöne Stunden bei uns verbringen können, heisse ich Sie nochmals herzlich willkommen.

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