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Rede zum 40. Jubiläum der chinesischen Reform- und Öffnungspolitik
2018/12/04
Am 23.11.2018 veranstaltete die chinesische Botschaft in der Schweiz ein Bankett in Bern anlässlich des 40. Jubiläums der Reform- und Öffnungspolitik Chinas. Mehr als 140 Chinafreundinnen und –freunde aus der Politik, Wirtschaft, Kultur und der akademischen Welt nahmen daran teil, u. a. Herr Nationalrat Laurent Wehrli, Präsident der parlamentarischen Gruppe Schweiz-China., Herr Raphael Nägeli, Vorsitzender der Abteilung Asien und Pazifik im EDA, Herr Thomas Wagner, der Ehrenpräsident der Gesellschaft Schweiz-China, Herr Andries Diener, der amtierende Präsident der Gesellschaft Schweiz-China, Herr Edwin Somm, der ehemalige ABB-Chef,  sowie Herr Mark Schneider, der CEO von Nestlé. Herr Botschafter Geng Wenbing hielt eine Ansprache wie im Folgenden:
 
 
Sehr geerhte Gäste, meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,
Guten Abend. Zunächst erlauben Sie mir bitte, Sie alle willkommen zu heissen und meine Freude auszudrücken, dass wir heute hier zusammenkommen können, um das 40. Jubiläum der Reform und Öffnung Chinas zu feiern. Ebenfalls möchte ich von ganzem Herzen meinen Dank zum Ausdruck bringen, dass Sie 40 Jahre lang als Zeugen unsere Reform und Öffnung begleitet haben und dazu auch viel Positives beigetragen haben.
Im Hinblick auf die lange Geschichte der Menschheit sind 40 Jahre nur ein Fingerschnippen. Aber die vergangenen 40 Jahre brachten dem chinesischen Volk schwungvolle und aufregende Änderungen, die uns tief in Herzen berühren und unbeschreibliche Gefühle hervorrufen. Vor genau 40 Jahren hat China sein Tor zur Welt geöffnet und angefangen, sich gegenüber der Aussenwelt aufgeschlossen zu zeigen. Unter der Führung von Herrn Deng Xiaoping, dem Chefarchitekten der Reform- und Öffnungspolitik sowie des Modernisierungsplans, begannen wir Chinesen, «vorsichtig abwägend einen Fluss zu überqueren», um einen Weg der sozialistischen Wirtschaft chinesischer Prägung zu erkunden. Während den 40 Jahren arbeiteten abermilliarden Chinesen mit Härte, Fleiss und unter allen möglichen Umständen. Sie schreiben mit ihrem Blut und Schweiss das grossartige Epos unseres Landes und Volkes. Innerhalb dieses Zeitraums betrug die jährliche wirtschaftliche Wachstumsrate im Durchschnitt 9,3%, die Gesamtwirtschaftsleistung stieg von 216,8 Milliarden auf 122000 Milliarden US-Dollar, so dass wir weltweit auf dem zweiten Platz gekommen sind. Inzwischen ist die Urbanisierungsquote von 18% auf 58%, die durchschnittliche Lebenserwartung von 67 auf 76 gestiegen. Es ist uns gelungen, 700 Millionen Menschen aus der absoluten Armut zu befreien und der Bevölkerung mit 1,38 Milliardeneinen bescheidenen Wohlstand zu bringen. Die Entwicklung und Fortschritte Chinas haben ebenfalls massgeblich zur Weltentwicklung beigetragen: In den jüngsten Zeiten liegt der Anteil des chinesischen Beitrages zur Weltwirtschaft höher als 30%.

Meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,
Als wir heute hier von den grossartigen Erfolgen der Reform und Öffnung Chinas sowie von den sich daraus ergebenden Beiträgen für die Entwicklung der Menschheit reden, wollen wir auch nicht vergessen, dass es etliche Freundinnen und Freunde weltweit gibt, die die Reform und Öffnung Chinas sowie seine wirtschaftliche Entwicklung seit 40 Jahren ständig unterstützt haben und unterstüzen. Dass es Freundinnen und Freunde aus der Schweiz gibt, die wichtige Beiträge zur Entwicklung Chinas geleistet haben. Insbesondere diejenigen, die sich langjährig dafür engagieren und heute an unserer Feier teilnehmen. Wir sollen nicht vergessen, dass die schweizerische Firma Schindler bereits zu Beginn der 1980er, als die Reform und Öffnung gerade eingeführt wurde und China in allen Branchen viel nachzuholen hatte, trotz des Zweifels und der Zögerung vieler westlichen Unternehmen die Pionierrolle übernahm und in China das erste chinesisch-schweizerische Joint Venture gründete. Dies stellt sodann ein Vorbild für ausländische Unternehmen dar, die sich nach China eilten, um dort zu investieren. Dafür möchte ich im Namen des chinesischen Volkes meinen hohen Repekt an Herrn Uli Sigg, dem ehemaligen Schweizerischer Botschafter in Peking ausrichten, den ich nach meinem Amtsantritt kennengelernt habe und mit dem ich gut befreundet bin. Vor knapp 40 Jahren hat Herr Sigg die Gründung des ersten Joint Venture eines westlichen Industriekonzerns mit einem chinesischen Staatsbetrieb massschlaggebend geprägt.

Der zweite Freund, dem ich zu Dank verpflichtet bin, ist Herr Edwin Somm, den ich nach meiner Ankunft in der Schweiz wie die Nadel im Heuhaufen wiedergefunden habe. Als dem Bauprojekt des Drei-Schluchten-Staudamm, des grössten Wasserkraftwerkes der Welt, mit Schwierigkeiten in Technik und Ausrüstung im Wege standen, unterstützte Herr Somm, damals Chef (Vorsitzender des Verwaltungsrates) von ABB Schweiz, uns mit Hilfe bei der Herstellung und Lieferung von Kraftwerksgeneratoren und veranlasste den freiwilligen kostenlosen Transfer der Schlüsseltechnologien. So hat er mit seinem wertvollen Wissen und seiner unerschöpflichen Leidenschaft zur Entwicklung des Wasserkraftwerkes Chinas beigetragen. Leider hat die chinesische Botschaft in den darauf folgenden 20 Jahren den Kontakt mit ihm verloren. Im Jahr 2017 habe ich ihn wieder getroffen. Als ich ihn begrüsste und die Hand drückte, bemerkte ich die tiefe Zuneigung für China in seinen Augen. An jenem Tag haben wir uns 4 Stunden lang unterhalten. Im Juli dieses Jahres hat der 84-Jährige auf Einladung unserer Botschaft mit seiner Familie, 3 Generationen mit 13 Familienmitgliedern, eine Reise zu den Drei-Schluchten unternommen und dort eine Kiefer als Symbol der Sino-schweizerischen Freundschaft angepflanzt.

Ein weiterer alter Freund, den ich hier auch erwähnen möchte, ist Herr Dr. Thomas Wagner, der Ehrenpräsidenten der Gesellschaft Schweiz-China, den ich liebenswürdig «meinen grossen Bruder» nenne. Er hat unzählige Beiträge zum Austausch zwischen den beiden Ländern und Völkern geleistet. Kaum wurde er im Jahr 1982 zum Stadtspräsidenten von Zürich gewählt, förderte er die Einrichtung der ersten Stadtpartnerschaft zwischen China und der Schweiz. Er hat sich an der Planung des Sommer Davos Forums in Dalian beteiligt und nahm als Zeuge der Reform und Öffnung Chinas teil. Von seiner blühenden Jugendzeit bis zum hohen Alter reist er ununterbrochen zwischen China und der Schweiz und hinterlässt seine Spuren in fast 30 chinesischen Provinzen. Er ist derjenige, der nimmer ermüdet, Sympathie und Liebe unter den Völkern zusäen, um Freundschaft zu ernten. Er ist wie ein Radiosender, der die Symphonie der grossen Freundschaft immer weiter trägt.

Herr Sigg, Herr Somm und Herr Wagner, den wir Chinesen gerne mit seinem Kosenamen «Alter Wa» nennen, sie alle arbeiten heutzutage trotz ihren hohen Alters immer noch unernüdlich für den freundschaftlichen Austausch zwischen den beiden Völkern. Ihr Engagement und Ihre Leidenschaft sind berührend und lassen sich in Geschichtsbüchern verewigen. Auf Grund der zeitlichen Gründen kann ich an dieser Stelle leider nicht alle Freunde und ihre Beiträge auflisten. Bitte erlauben Sie mir daher, meinen herzlichen Respekt und meine aufrichtige Dankbarkeit allen Freunden und den hier Anwesenden auszusprechen, die sich jahrzehntelang für die Reform und Öffnung Chinas und die Sino-schweizerische Freunschaft engagiert haben. 

Meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,
heute ziehen wir Chinesen die Segel wieder auf, damit wird ein neues Kapitel der chinesischen Geschichte aufgeblättert. 40 Jahre lang haben wir Erfahrungen gesammelt und auch unsere Lektionen gelernt. Unsere Leidenschaft brodelt auf, unsere Weisheit vermag sich in Praxis verwandelt zu haben. Posaunen blasend schreiten wir hoch erhobenen Hauptes in eine neue historische Ära. Da strecken wir unsere Ärme für alle Neuigkeiten und verschiedenste Meinungen aus, um den Grundton der Offenheit, des Pragmatismus, der Innovation, der Toleranz und der Win-Win-Kooperation festzulegen. Auf der Eröffnungszeremonie der China International Import Expo, die gerade in diesem Monat in Schanghai stattfand, hielt der Staatspräsident Xi Jinping eine Rede, in der er hervorhob, dass das Tor Chinas zur Welt nicht wieder geschlossen, sondern immer weiter geöffnet werde. China werde ohne Zögerung die Öffnung auf einem höheren Niveau vorantreiben. Diese Behauptung soll man nicht bloss als feierliche Worte wahrnehmen, sondern gilt als ein ernst zu nehmendes Versprechen Chinas gegenüber der Welt. 2018 wird das BIP Chinas voraussichtlich 13 Billionen US-Dollar übersteigen. In den nächsten 15 Jahren werden schätzungsweise chinesische Importe von Waren und Dienstleistungen jeweis mehr als 30 Billionen und 15 Billionen US-Dollar betragen. Darüber hinaus wird China eine Reihe wichtiger Massnahmen zur Marktöffnung ankündigen, mit denen den schweizerischen Unternehmen aller Branchen grosse Geschäftspotenziale zur Verfügung gestellt werden. Selbstverständlich ist uns bewusst, dass China im Laufe der Vertiefung der Reform und Öffnung unzähligen Hindernissen und Schwierigkeiten ausgesetzt sein wird, zu denen u. a. die Handelsbarrieren zählen, die wir noch zu überwinden haben. Aber bitte glauben Sie mir, dass all diese Steine auf dem Weg die Entwicklung Chinas nicht aufhalten und uns nicht daran hindern kann,zum Wohl der gesamten Menschheit beizutragen. Wie Herr Präsident Xi einmal gesagt hat, die chinesische Wirtschaft sei kein flacher Teich, sondern ein weitreichendes Meer. Heftige Stürme können zwar einen Teich bis zum Boden aufwühlen, aber ein Meer lässt sich dadurch nicht erschüttern. Mit dem Vertrauen, der Fähigkeit und der Entschlossenheit schreiten wir mit allen Völkern der Welt Hand in Hand voran, um dem Fortschritt und Wohlstand unsere Länder zu dienen und die Gemeinschaft des gemeinsamen Schicksals aufzubauen.

Meine Damen und Herren, liebe Freundinne und Freunde,
heute stehen wir hier im Hotel Bellevue und sprechen feierlich über die Reform und Öffnung sowie die freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern in den vergangenen 40 Jahren. Ich bin überzeugt, dass die Entwicklung Chinas eine schöne Aussicht hat, dass die Freundschaft zwischen China und der Schweiz eine helle Zukunft erblickt, und dass Ihre Zusammenarbeit mit den chinesischen Partnern zahlreiche Früchte ernten wird.
Vielen Dank.
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