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Botschafter GENG Wenbing veröffentlicht die Kolumne «Frieden und Entwicklung: das chinesische aussenpolitische Ideal in Perpetuum» in der Weltwoche
2019/10/28
Am 24.10. 2019 erschien in der Weltwoche, einer renommierten schweizerischen Zeitschrift, der Beitrag des Botschafters GENG Wenbing mit dem Titel «Frieden und Entwicklung: das chinesische aussenpolitische Ideal im Perpetuum». Im folgenden findet sich der vollständige Text.
 

Soeben hat das chinesische Volk die Feiern zum 70. Jahrestag der Ausrufung der Volksrepublik China abgeschlossen. Zu diesem Anlass wurden die in den vergangenen siebzig Jahren erzielten grossartigen Errungenschaften in verschiedensten Bereichen vorgestellt. Während das chinesische Volk voller Enthusiasmus und  bester Gefühle diesen Anlass feiert, bekomme ich von schweizerischer Seite aber Klischees und gar Befürchtungen zu hören, wobei es sich samt und sonders um Fragen zum chinesischen System und zur Ausrichtung der künftigen Aussenpolitik Chinas. Um solche Befürchtungen zu zerstreuen, möchte ich in diesem Beitrag Folgendes klarstellen:

1. China hält am Sozialismus chinesischer Prägung fest und wird auch auf diesem Weg bleiben. Darüber habe ich in meinen Publikationen und Interviews mit Medienvertretern schon mehrmals gesprochen. Hervorheben möchte ich folgenden Punkt: Ausschlaggebend dafür, für welches System sich ein Land entscheidet, ist die Frage, ob das in Betracht gezogene System die historischen Aufgaben lösen kann, mit denen das Land konfrontiert ist. Zu jener Zeit, als China in Armut und Elend lebte, unter Demütigungen litt und der Willkür der Anderen ausgeliefert war, hat das chinesische Volk unterschiedliche Denkschulen und soziale Strömungen ausprobiert, einschliesslich des bis heute bestehenden westlichen Kapitalismus. All diese Versuche wurden aber zum Scheitern verurteilt. Erst nach der Etablierung des Sozialismus vor siebzig Jahre, insbesondere nach der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik im Jahr 1978 und mit dem Festhalten am Sozialismus chinesischer Prägung, haben wir grosse Erfolge erzielt. Deshalb ist das chinesische Volk fest davon überzeugt, dass nur der Sozialismus China retten, dass unser Land sich nur auf der Grundlage des Sozialismus chinesischer Prägung weiterentwickeln kann. Die Verjüngung der chinesischen Nation kann ausschliesslich durch die Aufrechterhaltung und Entwicklung des Sozialismus chinesischer Prägung verwirklicht werden. «Ob ein Schuh sitzt, weiss nur der Träger». Welches System und Entwicklungsmodell den chinesischen Begebenheiten am besten geeignet ist, kommt letztendlich in den Daten und Fakten zum Ausdruck. Die Bewertung wird vom Volk und von der Geschichte gemacht.

2.Über die Ausrichtung der chinesischen Aussenpolitik, zum zentralen Punkt des vorliegenden Beitrages, möchte ich dem Publikum Folgendes klar sagen: Frieden und Entwicklung sind die zwei der chinesischen Aussenpolitik zugrunde liegenden Konzepte deren Gültigkeit für immer zugesichert ist. Es sind Konzepte, die das unverrückbare Ziel unserer Diplomatie darstellen. Die gesamte Aussenpolitik ist auf das erhabene Ziel ausgerichtet, den Weltfrieden sicherzustellen und die Entwicklung der Menschheit zu fördern. Bei genauer Analyse der gegenwärtigen Entwicklungstrends und der grundlegenden Interessen treffen die chinesische Regierung und das chinesische Volk gemeinsam die strategische Entscheidung, den Weg der friedlichen Entwicklung zu beschreiten. Aus eigenen Erfahrungen in der Vergangenheit hat das chinesische Volk in voller Tiefe erkannt, dass wir unsere Entwicklungsziele sowie gemeinsame Fortschritte der Menschheit nur dann erreichen können, wenn wir an der friedlichen Entwicklung festhalten und mit aller Welt zusammen arbeiten, um den Weltfrieden aufrechtzuerhalten.

Angesichts des rasanten Aufstiegs Chinas in den letzten Jahren machen sich manche Menschen im internationalen Umfeld nun Sorgen, dass China irgendwann dem traditionellen Modell der Mächtigen folgen würde, die parallel zum Stärkerwerden auch hegemoniale Ansprüche entwickelt haben. Aufgrund solcher Überlegungen haben einige China-Kritiker die sog. «China-als-Bedrohung-Theorie» aufgestellt. Solche Befürchtungen beruhen auf Missverständnissen in der Wahrnehmung wie auch auf  Vorurteilen, die sich im Lauf einer langen Zeit herausgebildet haben. Die chinesische Nation war und ist immer ein friedensliebendes Volk. Während der fünftausendjährigen Zivilisationsgeschichte hat unser Volk konsequent das Ideal Frieden, Eintracht und Harmonie verfolgt und gibt dieses Generation für Generation weiter. Es liegt weder in unserem Blut noch in unserem kulturellen Erbe, Invasionskriege zu führen oder hegemoniale Ansprüche zu erheben. Für ein Land, das sich weiter zur Prosperität und Wohlstand entwickeln möchte, ist ein friedliches Umfeld unentbehrlich. Zudem muss das Land sich der Hauptströmung der Entwicklung der Welt anpassen. Ohne Frieden wird es China nicht gelingen, sich ohne jegliche Schwierigkeiten zu entwickeln. Und genauso gilt auch, dass es ohne Entwicklungsschritte schwierig für die Welt wäre, einen dauerhaften Frieden aufrechtzuerhalten.

Diplomatisches Debüt

Zum Schluss möchte ich den Leserinnen und Lesern noch etwas über die Geschichte berichten: Zu Beginn der 1950er Jahre hat China die «Fünf Prinzipien zur friedlichen Koexistenz» lanciert. Seit siebzig Jahren bilden diese fünf Prinzipien nicht nur die Grundlage der chinesischen Aussenpolitik, sie werden inzwischen auch von den meisten Länder der Welt als Richtschnur der internationalen Beziehungen anerkannt bzw. akzeptiert. Als «diplomatisches Debüt» der Volksrepublik auf der internationalen Bühne gilt die Teilnahme des Premierministers Zhou Enlai an der Genfer Konferenz von 1954, auf der er die Friedenpolitik Chinas erläuterte. Als aktueller Botschafter der Volksrepublik Chinas ist es mir eine grosse Freude, Ihnen mitteilen zu können, dass die Schweiz der Startpunkt war, von dem aus unser Land die Weltbühne betreten hat. Zudem können Sie sich darauf verlassen, dass China, sei es in der Vergangenheit oder in der Zukunft, nach wie vor ein entschlossener Verfechter des Weltfriedens und der gemeinsamen Entwicklung ist. So ist es in unserer Politik schriftlich verankert, das System ist entsprechend aufgebaut, und in der diplomatischen Praxis wird dieses Prinzip durchgesetzt. Den Weltfrieden aufrechtzuerhalten hat positiven Einfluss auf die Entwicklung sowohl Chinas als auch der Welt. Es gibt schlicht keinen vernünftigen Grund, dieses aussenpolitische Prinzip nicht einzuhalten, das sich als vorteilhaft für alle Völker erwiesen hat.

 
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