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Botschafter GENG Wenbing veröffentlicht die Kolumne" Mut und Vertrauen" in der Weltwoche
2020/01/17
    Am 16.1. 2020 erschien in der Weltwoche, einer renommierten schweizerischen Zeitschrift, der Beitrag des Botschafters GENG Wenbing mit dem Titel «Mut und Vertrauen». Im folgenden findet sich der vollständige Text.
 
 
    Das Jahr 2020 hat bereits seinen Anfang genommen. Anlässlich der Neujahrsfeier möchte ich hiermit meinem Leserpublikum herzliche Grüsse und gute Wünsche ausrichten. Im Jahr 2020 werden wir das 70. Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwishen China und der Schweiz feiern. Am 17. Januar 1950 anerkannte die Eidgenossenschaft als eines der ersten unter den westlichen Ländern die neu gegründete Volksrepublik China , und am 14. September desselben Jahres wurde die diplomatische Beziehung offiziell verankert. Seit 70 Jahren wird in China und auch in der Schweiz immer wieder zu hören, «die Schweiz gehört zu den allerersten Ländern, die die Volksrepublik anerkannt haben». Während Chinesen voller Bewunderung diese Tatsache gedenken, ist bei den Schweizern bei deren Würdigung meist Stolz zu spüren.
 
    Die Entwicklung der Sino-schweizerischen Beziehungen im Laufe dieser 70 Jahren lässt sich wohl mit dem Heranwachsen eines Baumes vergleichen: Nach dem Pflanzen erlebt der Sprössling zwar immer wieder gutes Wetter voller Sonnenschein, muss aber auch Sturm und Gewitter überleben, um sich schliesslich zu einem riesigen Baum mit zahlreichen Zweigen entwickeln zu können, welcher dann reichliche Früchte austragen wird. Ich habe das Glück, seit Feburar 2016 die Rolle des Gärtners für diesen Baumriesen wahrnehmen und dabei jedes Stadium der neuen Entwicklung der bilateralen Beziehungen begleiten zu dürfen, «von seinem herrlichen Aufblühen im Frühling bis hin zum feierlichen Ernten im Herbst». Seit etwa drei Jahren habe ich die Errichtung der innovativen strategischen Partnerschaft zwischen den beiden Länder aus nächster Nähe erlebt und ich habe am Empfang des historischen Staatsbesuches des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in der Schweiz im Jahr 2017 sowie am Chinabesuch zweier Bundespräsidenten und einer Bundespräsidentin teilgenommen. Gegenwärtig pflegen beide Länder mehr als 40 Dialog- und Konsultationsmechanismen, die verschiedenen Bereiche wie Politik, Wirtschaft und Handel, Wissenschaft und Technik, Kultur sowie Menschenrechte etc. umfassen. Dabei hat sich der strategische Dialog zwischen den Aussenministern in den letzten zwei Jahren zu einer wichtigen Plattform für die politische Kommunikation auf höchster Ebene entwickelt.
 
    Zu Beginn der diplomatischen Beziehungen betrug das Handelsvolumen zwischen China und der Schweiz nur 6.8 Millionen US-Dollar. Mit der Ein- und Weiterführung der Reform- und Öffnungspolitik begibt sich die Wirtschafts- und Handelskooperation auf die Überholspur, deren Potenzial sich vor allem nach der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens China-Schweiz im Jahr 2013 in vollem Umfang entfalten kann. Seit sechs Jahren in Folge gilt China als der drittgrösste Handelspartner der Schweiz. Selbst im Jahr 2019 stieg das bilaterale Handelsvolumen trotz der Abschwächung der gesamten Weltwirtschaft. In den ersten drei Quartalen erreichte das Handelsvolumen rund 22.4 Milliarden US-Dollar und wies somit Wachstumsrate in Höhe von 8% auf. Hinsichtlich Investitionen wurden in China allein im Jahr 2018 113 Projekte von schweizerischen Investoren genehmigt, gefolgt von weiteren 77 Investitionsprojekten in den ersten zehn Monaten 2019. Darüber hinaus ist das grosse Potenzial für eine Zusammenarbeit in Finanzsektor, Wissenschaft und Technik sowie Umweltschutz etc. tagtäglich deutlicher zu erkennen geworden.
 
    In den zurückliegenden sieben Jahrzehnten ist der Austausch zwischen den zwei Völkern Bevölkerungen zunehmend intensiver geworden, was zur Vertiefung des gegenseitigen Verständnis führte und das Gefühl, man sei sich fremd, verminderte. Chinesinnen und Chinesen sehen in der Schweiz ein bezaubernd wunderschönes Land, dessen Charaktere sich in Begriffen wie Innovation und Qualität widerspiegelt. Produkte mit dem Label «Made in Switzerland», seien sie Schweizer Messer, Uhren oder Pharmazeutika, sind in China sehr beliebt. Das ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite beobachten wir eine zunehmende China-Welle in der schweizerischen Berichterstattung. Allen Klischeen und Vorurteilen zum Trotz stecken hinter solchen medialen Berichten grosse Interessen der Schweizer Bevölkerung für das aufstrebende China und ein Bemühen, die chinesische Politik zu verstehen.
 
    Dank der jahrzehntelang durchgezogenen Umsetzung der Reform- und Öffnungspolitik hat sich China zur zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt entwickelt. Wir dürfen jedoch nicht einfach ausruhen und wir müssen weiter voranschreiten . Wir bleiben weiterhin auf dem Weg, um ein besseres Leben für die Bevölkerung zu erreichen und dazu beizutragen, Prosperität und Frieden in diese schwankende Welt zu bringen. Geographisch liegen China und die Schweiz zigtausende Meilen voneinander entfernt, sie unterscheiden sich im Wesentlichen in Bezug auf die sozialen Strukturen, politischen Systeme und die Grösse des Landes. Auch die Mentalität und Verhaltensweise der beiden Völker weisen Differenzen auf. Trotz all dieser Unterschiede ist es uns gelungen, siebzig Jahre lang den Weg der Kooperation Hand in Hand zu beschreiten, weil wir uns immer an den Prinzipien des gegenseitigen Respektes, der Gleichheit und der Zusammenarbeit zum Erreichen der Win-Win Situation halten. Unterschiede sind per se nicht schlimm: Die Suche nach Gemeinsamkeiten unter Beibehaltung von Unterschieden galt damals als die Grundlage der Aufnahme diplomatischer Beziehungen und gilt heute als die Triebkraft für den Ausbau der Kooperation.
 
    Heute muss China einerseits die Stabilität in einem Land mit 1.4 Milliarden Bevölkerung aufrechterhalten, die eine unabdingbare Voraussetzung für weitere Entwicklung darstellt. Andererseits müssen Reformen umfassend vertieft werden und die Öffnung auf einem höheren Niveau erweitert werden, so dass sich die Entwicklungsdynamik kontinuierlich entfalten kann. Dabei ist China bereit, weiterhin mit der Schweiz zusammenzuarbeiten, um das Verständnis zu verbessern, die Kooperation zu intensivieren, die Entwicklungschancen zu teilen und den Multilateralismus sowie Freihandel zu verteidigen, so dass wir gemeinsam Beiträge zur gesunden und strukturierten Entwicklung der Weltwirtschaft leisten und die globalen Herausforderungen sowie Risiken meistern können.
Wir wollen uns des siebzigjährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen nicht nur mit Feierlichkeiten gedenken, sondern müssen uns gleichzeitig bewusst sein, dass wir uns nun an einer neuen historischen Ausgangspunkt befinden und uns erneut entscheiden müssen. Es ist sicherlich nicht einfach, eine Entscheidung zu treffen. Dabei müssen wir unsere inneren Zweifel und Vorurteile überwinden und den Mut sowie Traum, den die Schweiz damals bei der Festlegung der diplomatischen Beziehung mit China gezeigt hat, wieder aufnehmen. Wir müssen uns verstärkt auf unser Selbstvertrauen verlassen, und gemeinsam schaffen wir eine bessere Zukunft für die Sino-schweizerische Beziehung.
 
    Zuallerletzt möchte ich mich bei der «Weltwoche» darür bedanken, mir im Jahr 2019 eine Plattform zum Erzählen eines «echten China und seinen wahren Geschichten» geboten zu haben. Deswegen wurde das Magazin Ende des Jahres mit heftiger Kritik konfrontiert. Ein chinesisches Proverb besagt: «Nach dem Sturm strahlt immer wieder die Sonne». Ich bin fest davon und von dem darin enthaltenen Naturgesetz überzeugt.

 

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