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Botschafter GENG Wenbing veröffentlicht die Kolumne «China: Familie mit 56 Ethnien» in der Weltwoche
2019/11/28
   Am 21.11. 2019 erschien in der Weltwoche, einer renommierten schweizerischen Zeitschrift, der Beitrag des Botschafters GENG Wenbing mit dem Titel «China: Familie mit 56 Ethnien». Im folgenden findet sich der vollständige Text.
 
 
    China ist ein Vielvölkerstaat, in dem 56 ethnische Gruppen vereint zusammenleben, zu denen unter anderen die Han, Mongolen, Hui, Tibeter, Uiguren, Miao, Bouyi, Koreaner, Mandschu, Dong, Yao und Bai gehören. Unter all diesen Gruppen stellt die Han-Bevölkerung mit ihrem über 91% an der Gesamtbevölkerung die dominante Mehrheit dar, während alle anderen 55 ethnischen Gruppen zahlenmässig in Minderheit sind; die kleinste zählt weniger als 3000 Menschen. Das Zusammenleben all dieser ethnischen Gruppen ist dadurch gekennzeichnet, dass deren Angehörige im Allgemeinen zwar zufällig über das Land verteilt leben und überall anzutreffen sind, dass sich aber doch punktuell Orte mit einer Konzentration bestimmter Bevölkerung- sgruppen herausgebildet haben. Das Ganze lässt sich am ehesten als landesweites Netzwerk beschreiben, in dem die verschiedenen ethnischen Schwerpunkte miteinander verflochten. Im Laufe der Geschichte hüteten und bewachteten alle Bevölkerungsgruppen solidarisch das umfangreiche Territorium des Vaterlandes, sie erzeugten und erarbeiteten gemeinsam die grossartige chinesische Kultur, die durch eine pluralistische Integration geprägt ist. Die Beziehung zwischen der chinesischen Nation und den ethnischen Gruppen ist ähnlich, wie dies in einer grossen Familie der Fall ist: Jede Gruppe hat im gemeinsamen Haushalt inre eigene Stellung als Mitglied in der Familie. 
 
    Das Herausbilden unterschiedlicher Ethnien und damit verbundene Probleme ziehen sich als historisches Phänomen durch die ganze Menschheitsgeschichte. Ein geeignetes Verhaltensmuster für den Umgang der verschiedenen Gruppen untereinander zu finden, ist von massgeblicher Bedeutung für ein harmonisches Zusammenleben. Zugleich beeinflusst dies auch die Entwicklung des jeweiligen Landes, ob sich dieses nun in der Phase des Aufstiegs oder des Zerfallens befindet. Seit der Gründung der Volksrepublik China wird grossen Wert auf das Aufrechterhalten der ethnischen Vielfalt gelegt und die Gleichstellung aller ethnischen Gruppen wird mit Entschlossenheit verteidigt, immer unter der Voraussetzung, dass die nationale Einheit gewahrt wird. Das System der regionalen Autonomine wurde optimiert, um gleichberechtigte, solidarische, gegenseitig unterstützende und harmonische Beziehungen zwischen den ethnischen Gruppen im Rahmen des Sozialismus aufzubauen.Dabei steht die Einhaltung bzw. Förderung der Solidarität im Fokus des Programms. Um dies zu verwirklichen, kämpfen wir entschlossen gegen den Chauvinismus und den engstirnigen Nationalismus.
 
    Aus historischen und geographischen Gründen waren Regionen, in denen sich ethnische Minderheiten konzentrierten,  vergleichsweise unterentwickelt. Zur Zeit der Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949 lebten etwa 1 Million von den 36 Millionen Minderheitsgruppen in Sklavengesellschaften, weitere 800 000 davon in primitiven Kommunalgesellschaften. In den meisten Regionen, die durch nationale Minderheiten geprägt waren, herrschte eine extrem niedrige Produktivität, und die Infrastruktur war erbärmlich. Zu jener Zeit gab es in Xinjiang keinen einzigen Eisenbahngleis, in Tibet keine einzige echte Strasse. In den Berggebieten von Yunnan waren Reisende auf Pferde, Elefanten oder Seilrutsche angewiesen, und in einigen anderen Regionen verharrte die agrarwirtschaftliche Technik noch bei rudimentärer Brandrodung. Es gab sogar einige ethnische Gruppen, denen das Aussterben drohte, beispielsweise blieben nur etwa 300 Menschen in der Gruppe Hezhe. Nach der Ausrufung der Volksrepublik setzte die Zentralregierung genau an diesen Stellen die demokratisierenden Reformen an, indem das System der Leibeigenschaft schrittweise abgeschafft wurde. Zudem wurden politische Massnahmen zugunsten dieser Regionen erlassen und Investitionen in die Infrastruktur verstärkt, mit Hilfe deren die lokale wirtschaftliche Entwicklung befördert werden konnte. Schrittweise verkleinert sich die Kluft zwischen den Minderheitsregionen und den anderen Teilen des Landes.
 
     Nehmen wir mal Tibet als Beispiel, das hier in der Schweiz für viele ein sehr wichtiges Anliegen ist. Erst mit der demokratischen Reform im Jahr 1959 wurde die düstere feudale Leibeigenschaft ausser Kraft gesetzt, das befreite Millionen von Leibeigenen und Sklaven von der jahrhundertlangen Ausbeutung. Zum ersten Mal waren die Unterdrückten nun Herr im eigenen Haus und Herr über sich selbst. Schritt für Schritt ist das Leben in einer modernisierten Gesellschaft zur Realität geworden. Die in 60 Jahren vollzogenen epochalen Veränderungen in Tibet liegen offen vor aller Augen. Heutzutage gelten Tibet, Xinjiang und Yunnan, wo die nationalen Minderheiten angesiedelt sind, auf Grund ihrer einzigartigen historischen, und kulturellen Begebenheiten als beliebte touristische Attraktionen für in- und ausländische Besucher. Schauen wir auf Xinjiang: In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres hat die Zahl der Touristen 180 Millionen überschritten und damit einen historischen Rekord erreicht. In Tibet reisten etwa 13.4 Millionen Touristen allein in der ersten Hälfte des Jahres an, was eine Zunahme von 20.2% gegenüber dem Vorjahr markiert. Der Tourismus stellt somit eine neue Säule der wirtschaftlichen Entwicklung dar. Regionen mit Niederlassungen ethnischer Gruppen weisen in  jüngster  Zeiten häufig eine höhere Wachstumsrate auf, die über dem nationalen Durchschnitt liegen.
 
    Persönlich habe ich mehrmals ethnisch ausgeprägte Regionen wie Tibet, Xinjiang, Yunnan, Gansu und Ningxia besucht und jedes Mal wurde ich bestärkt in meinem Empfinden für den Wert dieser einzigartigen Kultur sowie des vielfältigen Brauchtums dieser Völker. Die chinesische Regierung unterstützt und fördert das Aufrechterhalten der ethnisch vielfältigen Kultur, ihrer traditionellen Bräuche sowie der religiösen Ausübungen. Mit Hilfe von Gesetzen werden die Gleichberechtigung, Solidarität und gemeinsame Entwicklung der Völker gewährleistet. Gerade diese Vielfalt der ethnischen Kulturen tragen zur bunten Kulturlandschaft Chinas bei. Hiermit möchte ich dem schweizerischen Publikum herzlich empfehlen, eine Reise dorthin zu unternehmen und diese ethnisch ausgeprägten Regionen persönlich zu erleben. Dort erwarten Sie eine Überraschung nach der anderen.

 
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